aktualisiert am 5. März 2007

Januar

Winterzeit

 

(Aquarellbild "....", gemalt von Madeleine, fehlt noch)

***

Winterkind

***

 

Die drei Spatzen

in einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz,
und mitten drin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und oben drüber, da schneit es - hu!

Sie rücken zusammen, dicht an dicht,
so warm wie der Hans hat`s niemand nicht.

Sie hör`n alle drei ihrer Herzlein Gepoch,
und sind sie nicht weg, dann sitzen sie noch

(Christian Morgenstern)

***

Der Dezember war bei uns allen sicherlich reich gefüllt mit Weihnachtsvorbereitungen, basteln, backen, aufräumen, dekorieren und dergleichen. Ich empfinde es dann eigentlich als angenehm und ausgleichend, wenn sich der Januar etwas "ärmer" an Basteleinen usw. gestaltet. Nach der Zeit der Besinnung und inneren Einkehr wäre nun die Zeit der Ausgelassenheit gekommen....
Man könnte nun ja eigentlich die Tage mit Schlittenfahren verbringen, Schneeballschlachten oder mit ausgedehnten Schneespaziergängen.....Für gewöhnlich schneit es ja zu dieser Zeit, zumindest ist es winterlich kalt. In diesem Jahr mussten wir jedoch lange, lange auf die weiße Schneedecke warten, die die Welt um uns herum einhüllt und es auch einmal so kalt wurde, dass man den Winter wenigstens erahnen konnte. Es roch in diesem Jahr beinahe schon nach Frühling. Erst Ende Januar kam der Winter herbei und so durften wir ihn in vollen Zügen genießen. Endlich können die Kinder das Vogelfutter nach draußen an die Bäume und an das Futterhäuschen hängen und nun ist auch die Zeit gekommen, in der alle Kinder weit und breit im Garten Schneemänner bauen und Schlitten fahren. Was wäre ein Winter ohne all das? Man könnte sich doch gar nicht recht auf den Frühling freuen. Über Nacht hat es kräftig geschneit. Unsere Großen standen extra früh auf, denn sie sollten rechtzeitig am Bahnhof sein, um in die Schule zu kommen. Wir sahen schon auf den Straßen, dass es wohl mühsam werden würde, überhaupt voran zu kommen. Das war dann auch so. Ein Glück kamen unsere drei großen Kinder dennoch gut und sicher mit der Bahn in der Schule an. Allerdings standen sie schon nach kurzer Zeit wieder vor unserer Türe, weil kaum jemand in der Schule war - Schüler wie Lehrer. Der Winter hat uns alle überrascht.
Als Maris morgens aufwachte, sah er sogleich durch das Fenster am Bett, dass etwas anders war. Es war ja viel heller als sonst. "Es hat geschneidet" rief Maris ganz laut und hat sich sofort sein Stühlchen ans Fenster geschoben, um den Schneeflocken beim tanzen zusehen zu können. Maris durfte an diesem Tag zu Hause bleiben und hat sich den Schnee erst einmal aus der Nähe im Garten angesehen. Nun kann man auch getrost aus voller Kehle "Schneeflöckchen, weiß`Röckchen" singen.
Auch die Großen haben den Schnee sehr genossen und haben gleich nach der Schule im Keller nach den Schneeanzügen und allen fahrbaren Untersätzen gesucht, die wir im Laufe der Zeit so angesammelt haben: Schlitten, Po-Rutscher, Bob mit Lenkrad....alles wurde nach oben geschafft und schon zogen sie gemeinsam los auf die Felder in unserer Nähe. Nur Maris konnte nicht mit, denn ich muss zugeben, dass ich eine sehr ängstliche Mama bin, die den Kleinsten nicht einfach so überall hin mit den Großen mitlässt....Ich selbst war leider an den Schneetagen bettlägerig und so hat mein Mann sich an den Vormittagen ganz viel Zeit für unseren Sohn genommen. Die beiden sind zuerst mit dem Schlitten einkaufen "gerutscht" und danach auch auf die Felder um die Ecke, wo man prima einen ganz langen Hang hinunterrutschen kann.
Mit Apfelbäckchen kamen die zwei dann nach langer Zeit nach Hause zurück. Maris hat noch ganz lange sein Lächeln im Gesicht behalten und sich im Spiegel die von mir bewunderten roten Bäckchen angesehen. Ich habe dann Calendulaöl auf die kleinen Backen gestrichen und so haben die roten Apfelbäckchen auch noch ordentlich geglänzt.
Eine heiße Milch mit Honig ist dann genau das richtige, um den Erinnerung ganz wohlig noch ein wenig nachzuhängen....

Geschichten, Bilderbücher...
zu keiner anderen Zeit ist es so schön, wenn man gemütlich beisammen sitzt (nicht nur am Abend) und vertrauten Geschichten lauscht. In den Monaten, wenn einem draußen der kalte Wind um die Ohren saust und die Wiesen und Felder mit einem weißen Mantel verhüllt sind, dann halten wir uns viel mehr in unserem warmen Zuhause auf, als in den anderen Jahreszeiten. Der Winter bedeutet nicht nur für die Pflanzen- und Tierwelt, dass man eine Ruhephase benötigt. Auch die Menschen machen es sich zu Hause heimelig, es stehen auch jetzt noch Kerzen auf dem Tisch, man trinkt Tee oder andere warme Getränke und genießt die gemeinsame Zeit beieinander.
Nicht nur am Abend lesen wir dann gerne und hören Geschichten, auch am Tag nehmen wir uns im Winter öfters die Zeit und kuscheln uns an ein gemütliches Plätzchen. Vielleicht dicht beieinander, wie die drei Spatzen (siehe Verslein oben)?
Ja - und dann hören wir jedes Jahr und immer wieder dieselben Geschichten, die uns mit jedem Male immer vertrauter und lieber werden:
Leise, leise, leise,
der Mond geht auf die Reise.
Er zieht am Himmel seine Bahn
und hält an unser`m Hause an.
Hier schaut er durch das Fensterlein.
Schlaf, mein liebes Kind, schlaf ein

Olles Reise zu König Winter gehört bei uns genauso dazu wie Tomte Tummetott/Tomte und der Fuchs, Guck mal Madita, es schneit, oder Es klopft bei Wanja in der Nacht....

Und wie wir nun unsere Lieblings-Geschichten mit einem anderen schönen Ritual in Verbindung bringen, das erzähle ich Dir nun auch sogleich....

***

Wärmfläschchen
Nun auch ist es endlich Zeit unser neues Winter-Ritual einzuführen, das schon seit Weihnachten auf sich warten lässt (siehe Weihnachtsgeschenke, Rubrik Kalender Dezeber). Ich wünschte mir dafür klirrende Kälte und /oder Schnee. Hast Du nachgesehen, welch besonderes Geschenk ich vor allem für die Winterszeit für unsere Familie ausgesucht habe? Es sind 2 handgemachte, ganz kleine Wärmflaschen aus Kupfer und Messing. Sie sind ganz fein gehämmert und sehen wirklich in natura wunderwunderschön aus. Ein kleines handwerkliches Kunstwerk, was mir ja so wichtig ist. Ich möchte, dass wir so oft mit handwerklichen Dingen in berührung kommen und Kunst auch in den Alltagsdingen sehen und spüren dürfen. Die Wärmfläschchen sind ein gutes beispiel dafür.
Ein Freund hat sie für uns gemacht. Sie sollen uns in der kalten Jahreszeit die Hände und das Herz erwärmen, während wir Geschichten lesen oder Bilderbücher anschauen. Auch wenn ein Kind krank im bett liegt soll die Wärmflasche ihre Aufgabe bekommen. Vor allem aber, wenn man von draußen aus der Kälte herein kommt, mit roten Bäckchen und fürchterlich kalten Händen und Füßen ist es doch wunderschön, wenn man sich zusammen in das große Bett kuschelt oder auf das gemütliche Sofa setzt, einer Geschichte lauscht, warmen Tee oder Milch mit Honig trinkt und dabei reihum die Hände gewärmt werden von solch besonderen Wärmflaschen. Diese werden mit nicht zu heißem Wasser gefüllt und wie ein kleiner Schatz in beiden Händen gehalten.
Wir haben wie gesagt "nur" 2 kleine Wärmfläschchen, sodass man diese nach einiger Zeit dem in die Hände legt, der neben einem sitzt und schon sehnlichst darauf wartet, auch das warme Metall spüren zu dürfen. Man darf also teilen und freut sich darauf, wenn der andere schon so warme Hände hat, dass dieser einem nun wieder den glänzenden Schatz zurückgibt. Ist die Geschichte aus und sind die Hände warm, so ist das Goldtröpfchen an der Reihe (siehe unten, bzw. Seligkeitsdinge aus Ton).
Auf der warmen Haut entfaltet das Öl seinen Duft besonders schön und man kann seine Sinne ganz behaglich pflegen - einer Geschichte lauschen, Wärme nach Kälte spüren, den Duft des Öls riechen....Eindrücke, die Kinder ganz besonders lieben und sicherlich in ihrer Erinnerung mit sich tragen werden.
Statt der kleinen Wärmflaschen, wie wir sie nun glücklicherweise verwenden dürfen kann mann auch andere wärmende Dinge nehmen. Entweder handelsübliche kleine Wärmflaschen (gibt es sogar in Herzform), ein kleines (selbstgemachtes) Kirschkern-, bzw. Getreidekissen, einen sachte (im Backofen oder auf der Heizung) angewärmten schönen Stein, den man draußen gefunden hat...
Die wärmenden Gegenstände dürfen niemals heiß sein, sie sollen immer eine angenehme Wärme haben (immer selbst ausprobieren, bevor man es Kindern in die Hände legt)!

***

Goldtröpfchen
ich kenne das Goldtröpfchen seit vielen Jahren aus dem Waldorfkindergarten und habe es vor ca. 10 Jahren sogleich auch für uns zu Hause als Ritual eingeführt. Es ist für mich und unsere Kinder etwas ganz Besonderes, das man über das ganze Jahr hinweg anbieten kann.
Ich erzähle nun jedoch hier im Monat Januar davon, weil es einfach wunderbar in die kalte Jahreszeit passt. Kommt man z.B. vvom Schlittenfahren oder von einem Winterspazierganz zurück, so ist es unsagbar schön, wenn die frierenden Hände von Groß und Klein mit duftendem Öl eingerieben werden und so auch die Hände wieder warm werden.
Das Goldtröpfchen ist, soweit ich weiß, nur in Waldorfkreisen bekannt, weil es in vielen Waldorfkindergärten Brauch ist, das sogenannte "Goldtröpfchen" an die Kinder zu verteilen. Ich will versuchen zu erklären, was es damit auf sich hat und vielleicht dadurch einen Funken zu entzünden.
Da ich eigentlich nur den Brauch selbst kenne und seltsamerweise weder im Waldorfkindergartenseminar während meiner Ausbildung, noch in der Literatur etwas über das Goldtröpfchen (bei manchen heißt es auch einfach Öltröpfchen) erfahren habe, gehe ich davon aus, dass es einfach ein Brauch ist, der untereinander weitergegeben wurde. Ich kann und möchte daher nur erzählen, was ich selbst mit dem Goldtröpfchen in Verbindung bringe, bzw. was ich selbst erlebt habe.

Goldtröpfchen im Waldorfkindergarten:
nach der Spiel- und Aufräumzeit wird der Stuhlkreis vorbereitet, in dem sich alle Kinder zunächst sammeln, um dann ein Liedchen zusammen zu singen, einen Reigen zu machen o.ä. Dann ziehen alle Kinder gemeinsam zur Toilette, waschen sich anschließend die Hände, gehen zurück in den Gruppenraum und setzen sich wieder auf ihre kleinen Stühlchen. Nun ist Zeit für das Goldtröpfchen. Jedes Kind macht mit seinen beiden Händen ein "Schüsselchen". Dabei werden die Hände so vor dem Körper ineinander gehalten, dass sie aussehen, als ob sie gleich etwas empfangen wollen - und dem ist auch so, sie warten auf das Goldtröpfchen (die Geste sieht so ähnlich aus, als ob man in der Kirche die Hostie empfängt). Ein Kind oder die Kindergärtnerin hält in ihrer Hand ein kleines Tonschälchen, das ein feines, duftendes Öl enthält (z.B. Weleda Rosenöl, Lavendelöl, Sanddornöl...) und zieht damit von Kind zu Kind. Währenddessen singen sie ganz leise: "Goldtröpfchen, Goldtröpfchen, mit dem kugelrunden Köpfchen, komm in meine Hand und macht sie weich und samt". Jedes Kind bekommt dann in sein aus Händen geformtes "Schüsselein" ein kleines Tröpfchen Öl. Die Kinder halten so lange ihr Schüsselein mit dem Öl vor sich, bis jedes sein Goldtröpfchen bekommen hat. Dann beginnen alle miteinander, das Öl in den Händen zu verreiben, das geschieht begleitet mit einem Sprüchlein. Diese Sprüchlein (oder auch kleine Liedchen) können von Gruppe zu Gruppe, von Kindergarten zu Kindergarten ganz unterschiedlich sein, sind aber innerhalb einer Gruppe meist fest und verändern sich meist nicht.
Beispiel:
"Hände reiben, Hände reiben, warm und fest, fest und warm, reiben wir die Hände warm" (kann mit einer kleinen Melodie gesungen oder auch rhytmisch gesprochen werden).

Goldtröpfchen zu Hause:
das Ritual des Goldtröpfchens hat mich von Beginn an begeistert. Ich habe wie gesagt schon vor vielen Jahren damit begonnen, es auch bei uns zu Hause anzuwenden. Bei uns ist es zu einem Teil unseres Abenrituals geworden und ich will gerne erzählen, wie sich das bei uns in etwa gestaltet.
Nachdem sich die Kinder gewaschen haben und bettfertig sind, setzen sie sich alle in unser großes Bett (damit wir eng beieinander sind). Dann spiele ich oder eines der Kinder ein Liedchen entsprechend der Jahreszeit auf der Leier, manchmal wiederholen wir diese Melodie und spielen diese dann auch mal zu zweit. Die Leier wird wieder in das Seidentuch gewickelt und beiseite gelegt (Näheres dazu bei Seligkeitsdinge aus Holz). Nun warten die Kinder schon mit ihren "Schüsselein" auf das Goldtröpfchen. Manchmal verteile ich es, manchmal eines der Kinder. Sie singen dann auch wie im Kindergarten "Goldtröpfchen, Goldtröpfchen..." und bekommen das Öl in die Hände gereicht. Dann folgt, wie auch im Kindergarten, ein Sprüchlein. Wir haben zu Hause verschiedene Sprüche oder Liedchen auserkoren und wechseln immer mal wieder ab (die Kinder dürfen sich eines wünschen). Im Grunde kann sich hier jeder selbst ein (liebgewonnenes) Sprüchlein oder ein Lied aussuchen, bei dem man dann begleitend das Öl in den Händen verteilt - entweder die Kinder verreiben das Öl selbst in ihren Händen oder die Mama, der Papa...macht das.
Maris mag am Liebsten "da hast `nen Taler". Das ist recht bekannt:

"Da hast `nen Taler,
gehst auf den Markt,
kaufst dir `ne Kuh,
ein Kälbchen dazu,
Kälbchen hat ein Schwänzchen,
macht Dideldideldänzchen"

Bei "da hast `nen Taler" usw. streichle ich rhytmisch mit meiner rechten Hand über die Handinnenfläche des Kindes, die es mir zuvor in meine linke Hand gereicht hat. Am Ende des Sprüchlein, wenn es da heißt "macht Dideldideldänzchen", kitzelt man sachte die Handinnenfläche und erntet sogleich sicherlich ein Kichern. Dasselbe wird in der zweiten Hand wiederholt, auch in dieser wird das Goldtröpfchen mit dem Sprüchlein begleitend in der Haut verteilt. Spätestens dann ahnt das Kind schon, dass es sogleich wieder ein wenig gekitzelt wird und freut sich schon vorher.
Das ist dann also ein Sprüchlein, bei dem die Kinder warten müssen, bis sie an der Reihe sind.
Andere Sprüche sind so, dass jeder das Goldtröpfchen selbst in seiner Hand verteilt, während man gemeinsam ein Sprüchlein spricht oder ein Lied dazu singt - das kann wie gesagt auch ein ganz vertrautes Verslein sein. Man kann sich auch selbst etwas ausdenken in der Art wie dieses hier:

Hände reiben,
Hände reiben,
warm und fest,
fest und warm,
reiben wir die Hände warm


(ich glaube, dieses Sprüchlein hat unsere Eurythmistin sozusagen erfunden).

Nach dem Goldtröpfchen ist unser Abendritual noch nicht ganz beendet. Bevor wir uns eine gute Nacht wünschen und jeder in sein Bettchen geht (die Großen lesen dann noch ein Buch), ist an manchen Abenden, je nach vorhandener Zeit, ist noch ein Fingerspiel an der Reihe, eine kleine Geschichte o.ä. und dann zuletzt:

"nun kommt die gute Mutter Nacht,
die alles leis`und dunkel macht,
sie schließt die Blumenkelche zu
und wiegt den wilden Wind zur Ruh`
- nun schlaf`auch Du,
nun schlaf`auch Du"

***

"Wenn die kleinen Kinder beten,
hören all die Sternlein zu
und die Engel alle treten,
leis`herzu auf goldnem Schuh`.
Lauschen auf des Kindes Worte,
schließen tief ins Herz sie ein,
tragen durch die Himmelspforte,
sie zum lieben Gott hinein".

Ich verwende je nach Jahreszeit jährlich wiederkehrendes, unterschiedlich duftendes Öl, am liebsten von Weleda oder Wala. Im Herbst und Winter mag ich gerne einen eher würzigeren Duft, z.B. Arnika-, Calendula- oder Lavendelöl oder das herbe Schlehenöl von Wala, im Frühling das zitronig duftende Birkenöl, im Sommer Sanddorn- oder Wildrosenöl o.ä. Jeder hat da so seine Vorlieben.

Ja, worum aber geht es denn bei dem Ritual des Goldtröpfchens eigentlich? Wie bereits erwähnt, ich kann nur das dazu schreiben, was es für mich bedeutet:
Zum einen ist es für mich Sinnespflege. Die Sinnespflege spielt in der Waldorfpädagogik eine sehr große Rolle und so wird in allen erdenklichen Bereichen im Tageslauf großen Wert darauf gelegt, so viele Sinne wie möglich anzusprechen. Beim Goldtröpfchen werden unsere Sinne angeregt und gepflegt, z.B. kann das Kind sich selbst wahrnehmen, sich spüren, während sich die Hände aneinander reiben, bzw. die Hand der Mutter die Hand des Kindes streichelt.
Auch der Geruchssinn wird angesprochen - das Öl (es sollte immer ein ganz natürliches Öl sein, ohne künstliche Duftstoffe, ohne synth. Öle) ist immer mit einem feinen Duft verbunden - Rose, Lavendel, Calendula... - all diese Öle haben ihren besonderen Geruch, der schon beim Reiben in die kleinen Näschen steigt. Meist halten sich die Kinder auch intuitiv nach dem Einreiben beide Hände direkt vor die Nase und atmen den Duft ganz tief ein.
Während das Sprüchlein gesprochen wird, ist natürlich der Hörsinn gefragt, daneben aber spielt auch die Sprachpflege eine nicht unbedeutende Rolle. Gerade heute, in einer Zeit, in der sehr viele Kinder Sprachprobleme haben, ist regelmäßige Sprachpflege sehr wichtig. Wenn diese so wunderschön eingebettet ist in ein solches Ritual, dann ist das für mich der richtige Weg..

Nicht nur Sinnes- und Sprachpflege bringe ich mit dem Goldtröpfchen in Verbindung. Es sind noch andere Dinge, die dabei eine Bedeutung bekommen.
Das Ritual kann das Kind zur Ruhe bringen, es nach vielen Erlebnissen im Tageslauf wieder zu sich selbst finden lassen, einkehren, Stille finden. Gerade deshalb habe ich dieses Ritual bei uns am Abend eingeführt. Es ist Schlafenszeit und nicht immer finden die Kinder so einfach den Weg aus einem ereignisreichen Tag zurück in die Stille.
Zweisamkeit, Dreisamkeit (je nachdem, wie viele Familienmitglieder beieinander sitzen) - auch das ist mir wichtig. Man ist beieinander, nimmt sich am Ende des Tages noch einmal ganz in Ruhe Zeit füreinander und nimmt sich gegenseitig auf liebevolle Weise wahr.

Es weht ein Klang durch tiefe Nacht,
als hätt´ein Stimmlein leis` gelacht,
als tönten Glocken von der Herd´
als fielen Sterne auf die Erd´.

Gestik, auch das ist etwas, was ich als unheimlich bereichernd für mich und meine Kinder empfinde. Zum einen sind das Gesten, die man einem anderen gegenüber schenkt - ein Blick, während man das Sprüchlein spricht, die Weise, wie man die Hände zum Schüsselein faltet, wie behutsam man das Tonschüsselchen in der hohlen Hand hält, wie einem sanft das Öl gereicht wird, wie man sich berührt usw. In solchen Augenblicken wird ganz viel ausgetauscht, Berührungen, Liebe, Freude.

Ja, das ist es so ungefähr, was mir persönlich das Goldtröpfchen als so wertvoll erscheinen lässt.

Wir haben zu Hause für dieses Ritual einige ganz besondere Tonschüsselchen. Ich finde auch diese geste unheimlich schön, wenn man das Schüsselein in seiner Hand hält und

mit dem zeigefind´ger der anderen hand für jeden um einen herum ein Öltröpfchen schöpft, um es dann zu verteilen. Diese gesten sind etwas, was man tief in sich aufnehmen kann, was die Seele berührt und Augen und Sinne für die ganz kleinen Dinge öffnet.
Unsere Tonschüsselchen sind winzig klein und fein, jeden Abend wird frisches Öl eingefüllt. So kleine und besondere Schälchen findet man leider nicht überall.
In meinen beiden Töpfereien habe ich extra kleine Goldtröpfchen-Schüsselchen anfertigen lassen, man kann sie hier auf den Bildern sehen. Man kann sie gerne auch über mich bestellen (siehe Rubrik Seligkeitsdinge aus Ton), schreibt mir einfach eine Email.
Schön ist es auch z.B. auch eine etwas größere Muschel zu verwenden. Man kann das Öl natürlich auch einfach bei demjenigen in die Handfläche geben, der es dann daraus verteilt.

***

Rezepte für die Winterzeit

Hustenzeit - Zwiebelhonigzeit & Lavendel mit Olivenöl...
Winterzeit ist immer auch Hustenzeit. Ich versuche auch dann gerne, ein duftendes Öl auch hier zum Einsatz zu bringen, was nicht nur den Husten lindert, sondern ebenso Berührung und Zweisamkeit ermöglicht. Es bietet sich z.B. an, kaltgepresstes Olivenöl etwas zu erwärmen (auf der Heizung...) und diesem einige tropfen Lavendelöl (Primavera) beizumischen. Nicht viel, es genügt oft schon ein einziger Tropfen, denn die Haut soll nicht gereizt werden. Es gibt von Primavera z.B. ein Lavendelöl, dem sehr viele heilende Inhaltsstoffe und damit Kräfte zugesprochen werden: Lavendel extra/Lavandula angustifolia Rispe, Wildsammlung aus Frankreich (siehe auch im Buch von I. Stadelmann, Aromatherapie). Diese Olivenöl-Lavendelmischung auf Brust und Rücken auftragen (mehrmals täglich, vor allem aber vor dem Schlafengehen). Bei Kindern kann man begleitend auch ein Sprüchlein sagen oder ein kleines Liedchen singen:

Heile, heile, Segen,
drei Tage Regen,
drei Tage Schnee,
dann tut`s nimmer weh

Maris mag es, wenn ich "Häslein in der Grube" singe, wenn er krank neben mir im Bett liegt:

Häslein in der Grube,
saß und schlief,
saß und schlief,
armes Häslein bist Du krank,
dass du nicht mehr hüpfen kannst,
Häslein hüpf,
Häslein hüpf,
Häslein hüpf

Wir verwenden dieses Lavendelöl auch gerne pur bei Kopfschmerzen (Migräne bei Madeleine) oder als Mischung, wenn jemand nicht so gut (ein)schlafen kann

Was wir bei Husten auch gerne anrühren und verwenden ist Zwiebelhonig (nicht Kindern unter 1 Jahr geben!!!).
Zwiebelhonig, das hört sich fürchterlich an, ist aber eigentlich sogar recht lecker. es riecht etwas merkwürdig, ja, aber schmecken tut es unseren Kindern!
Ich nehme dazu 1 größere Zwiebel, schneide diese in klein und gebe es in ein Schüsselchen. Zu den Zwiebeln gebe ich dann va. 3 Esslöffel guten Honig und verrühre das Ganze kräftig. Man sollte so viel Honig nehmen, dass die Zwiebeln ordentlich Saft ziehen können. Diese Mischung dann einige Stunden ziehen lassen (im Kühlschrank, evtl. sogar über Nacht). Dann wird der Saft aufgefangen (Sieb) und dieser in ein Gefäß gegeben, was sich verschließen kann (Marmeladenglas). Diesen "Zwiebelhonig" nur im Kühlschrank aufbewahren (nur wenige Tage haltbar, also schnell verbrauchen, bzw. öfters neu zubereiten).
Ich gebe meinen Kindern bei akutem Husten mehrmals am Tag 1 Esslöffel voll, je nach Hustenstärke. Der Zwiebelsaft löst den Schleim, man sagt sogar, die Inhaltsstoffe der Zwiebel wirken ähnlich wie Antibiotika, sind entzündungshemmend und lindern Schmerzen (wie auch beim Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen, das kennst Du sicherlich). Auch der Honig hilft auf seine Weise bei allerlei Krankheiten (aber auch hier wieder nicht für ganz kleine Kinder, bzw. Babys!)

Ach, kaum hatte ich diese Zeilen hier zuende geschrieben, hatte ich auch schon 4 kranke Kinder zu Hause. Wirklich innerhalb eines Tages wurden 3 gleichzeitig krank und bei usn sah es aus, wie in einem Krankenlager.
Unsere kleine Tochter fing zwar schon vor ein paar Tagen mit Ohrenschmerzen an (Zwiebelsäckchen, siehe unten), die anderen drei bekamen nun jedoch dann Angina/Scharlach (z.T. mit Streptokokken). Lohnt es sich also, nun noch ein wenig zu schreiben, welche Rezepte ich hierbei anwende?

Zwiebelsäckchen
sicherlich werde das Zwiebelsäckchen die meisten schon kennen, ich schreibe es hier trotzdem mal auf. Es kann ja nicht schaden.
Meist bekommen unsere Kinder nachts Ohrenschmerzen. Es ist dann schon etwas mühsam sich aufzuraffen, aber aus Erfahrung weiß ich, dass s sich allemal lohnt.
Zwiebeln findet man ja glücklicherweise in jeder Küche vor, deren Saft/Dämpfe wirken u.a. schmerzlindernd und entzündungshemmend und das ist bei Ohrenschmerzen genau richtig und hilft bei uns meist, die restliche Nacht gut zu überstehen. Ganz selten einmal gebe ich begleitend ein Schmerzzäpfchen. Falls die Schmerzen jedoch zu groß sind, zögere ich nicht. Das Zwiebelsäckchen lege ich trotzdem auf das betroffene Ohr. Auch Nasentropfen in dieser Nacht unterstützen das Ganze.
Ich schäle eine kleine Zwiebel und schneide sie in ganz feine Stückchen. Diese müssen dann in ein Tuch o.ä. eingewickelt werden. Ich habe, wie man weiß, ja jede Menge Mullschlauch in sämtl. Größen/Breiten zu Hause, denn ich verwende diese für die Puppenköpfe. Es gibt hiervon einen ganz, ganz schmalen Schlauch (ca. 2 cm breit). Ich benutze ihn gerne für die kleinen Blumenkinder-Köpfchen und eben auch praktischerweise für die Zwiebelsäckchen (Alternativ ein Stofftaschentuch, einen Stoffrest, ein Stück alte Windel...).
Ich schneide ein längeres Stück von der Schlauchbinde ab (ca. 8 cm lang), binde das eine Ende mit einem Faden zu, drehe den Schlauch um und fülle ihn dann mit den vielen kleinen Zwiebelstückchen. Nun binde ich auch das 2. Ende zu, damit der Inhalt nicht herausfällt.
Zuvor kann man schon einen kl. Topf mit etwas Wasser auf den Herd stellen und das Wasser erhitzen, bis heißer Dampf aufsteigt. Oben auf den Topf lege ich ein kleines Küchensieb/Abtropfsieb. In dieses lege ich nun das Zwiebelsäckchen und erwärme es ein wenig über dem Wasserdampf (man könnte dann beinahe Hunger bekommen, denn es riecht recht deftig ;0)
Manche sagen, das Zwiebelsäckchen soll hinter die Ohrmuschel gelegt werden, ich lege es eigentlich immer sachte auf das betroffene Ohr (wenn das Kind es aushält), denn die Zwiebeldämpfe können so viel besser in das Ohr gelangen. Auch ein Tropfen des Lavendelöl extra gebe ich gerne auf das Zwiebelsäckchen.
Ein Stirnband oder eine Mütze hält die Mullbinde dort fest, wo sie hingehört, zudem wärmt das auch noch zusätzlich. So lege ich dann mein Kind wieder ins Bettchen und meist ist es am anderen Morgen dann sehr viel besser und verheilt dann die kommenden tage völlig (ganz ohne Antibiotika). Allerdings mache ich auch tagsüber dann noch einige Male frische Zwiebelsäckchen.

Quarkwickel
Ja, so war dann meine kleine Tochter versorgt und ihre Ohrenschmerzen verflüchtigten sich die kommenden Tage, genauso wie der Zwiebelduft im Raum ;0)
Maxim, Madeleine und Maris jedoch lagen mit hohem Fieber und fürchterlichen Halsschmerzen in ihren Betten, bzw. in meinem.
Zunächst besuchten wir unsere homöopatische Ärztin, weil ich gerne in den Hals gucken lasse, weil vor allem Maxim gerne Streptokokken bekommt und ich das gut beobachten lassen möchte. Dem war dann leider auch so....Die üblichen Kügele Belladonna (bzw. auch Mercurius sol) kamen dann in unserem Fall zum Einsatz, Salbeitee mit Honig zum Trinken, wie auch zum Gurgeln, Nasenspülungen mit der Nasendusche (wirkt oft auch Wunder), Geschichten hören im Bett....
Oft sind auch die Lymphknoten sehr angeschwollen, bzw. schmerzen die Mandeln doch sehr. Dann hilft bei uns eigentlich meist auch ein kalter Quarkwickel. Manchmal wirkt er Wunder, wirklich. Ich habe selbst sehr gute Erfahrungen mit Quarkwickeln bei Brustentzündungen/Milchstau gemacht und wende diesen auch bei den Kindern an, wenn die Mandeln entzündet sind, bzw. die Lymphknoten schmerzen. Maris hatte kürzlich ganz dick geschwollene Lymphknoten am hals, hinter den Ohren, unter dem Kinn, er weinte stundenlang, bis ich darauf kam, warum. Ich habe ihm dann einen Quarkwickel gemacht (auch nach Rücksprache mit unserer Kinderärztin, die das ebenso gerne empfiehlt) und er sit erst einmal in Ruhe eingeschlafen. Als er aufwachte, war zwar noch immer alles geschwollen, es tat ihm jedoch nicht mehr so weh, er weinte nicht mehr :0)
Wir haben seit vielen Jahren ein tolles, großes Wickelset (Halswickel, Beinwickel, Bauchwickel...) aus wunderschönen Stoffen genäht, mit Leineninnentuch usw. Das gibt es in der Kemptener Bahnhofapotheke auch zu bestellen (siehe meine links), ich finde es sehr, sehr hilfreich (prima Geschenkidee übrigens).
Alternativ kann man sich auch einfach mit anderen Tüchern (Baumwolle, Leinen) und Schals für oben drüber behelfen.
Den Quark streiche ich auf ein Baumwolltuch recht dick auf und lege dieses um den Hals (vorne)/auf die betroffenen Stellen. Darüber sollte dann ein trockenes Tuch gelegt werden, das das untere Tuch umschließt (also etwas größer sein wollte). Darüber wiederum kommt ein warmer Schal, damit der Hals schön warm bleibt. Der Quark trocknet dann an, es riecht auch etwas säuerlich, aber so ist das eben. Ich lasse den Wickel ca. 1 Stunde auf der Haut und wasche ihn dann mit warmem Wasser sachte ab (danach wieder den Schal umlegen). Je nach Schmerzen mache ich den Quarkwickel mehrmals am Tag

Welche Bücher ich in diesem Zusammenhang "wärmstens" empfeheln mag:
"Bewährte Aromamischungen" von I. Stadelmann und "Wickel & Co. - Bärenstarke Hausmittel für Kinder" von Ursula Uhlemayr

Sämtliches Zubehör, Ölmischungen, äth. Öle, Wickelsets...gibt es wie gesagt in der Kemptener Bahnhofsapotheke. Man kann sich dort z.B. eine Liste zusenden lassen, auf der alles aufgeführt ist, was per Versand zu bekommen ist. Ich bestelle dort seit vielen Jahren (eine kleine Auswahl davon gibt es sogar in einer Apotheke bei uns im Ort), es gibt prima Öle auch zum Einreiben (Erkältungsöle, Bauchöl usw.), wirklich ganz prima, vor allem im Zusammenhang mit den beiden oben genannten Büchern.

 

mit Liebe genähte Puppenkinder aus Naturmaterialien. Leider darf ich meine Puppen nicht mehr als Waldorfpuppen bezeichnen, da der Name Waldorfpuppe markenrechtlich geschützt ist. Inhaber des Namensrechtes für Waldorfpuppen ist der Bund der freien Waldorfschulen.